Die Statue an der Hausfassade des Gebäudes Kramgasse 12 ist eng mit der Geschichte dieses Hauses und der darin beheimateten Zunft verbunden.
Die Anfänge der Zunft zum Mohren reichen weit zurück: Sie wurde 1383 gegründet und erwarb 1474 das Haus Zum Mohren, welches am gleichen Ort stand wie das heutige, nämlich Kramgasse 12 / Rathausgasse 9. Bald wurde die Zunft nach ihrem Hauszeichen benannt, und mit den Satzungen von 1530 erhielt sie auch offiziell den Namen Zunft zum Mohren.
Die Bedeutung der Mohrenstatue, die bis 2022 auch im Zunftwappen abgebildet war, ist historisch nicht abschliessend geklärt. Einerseits könnte der Mohr auf den Heiligen Mauritius (3. Jh. n. Chr.) verweisen, der wegen seiner Herkunft aus Nordafrika häufig als dunkelhäutiger Mann dargestellt wurde. Der Heilige Mauritius war unter anderem Schutzpatron der Färber und Tuchhandwerker. Er könnte andererseits aber auch an den Mohren unter den Heiligen Drei Königen anknüpfen; dieser war Schirmherr der Reisenden, weshalb Gasthöfe Zum Mohren verbreitet waren.
Die Zunft zum Mohren hat gemäss unserer Kenntnisse stets jegliche Form von Diskriminierung und Rassismus abgelehnt. Als Zunft zur Schneidern kehrt sie zu ihren Ursprüngen zurück und stellt das Handwerk ins Zentrum, für das sie seit ihrer Gründung im Jahr 1383 steht: dasjenige der Schneider und Tuchscherer.
Die Statue an der Fassade bleibt Bestandteil des wertvollen Baudenkmals Kramgasse 12. Sie stellt ein wichtiges historisches Zeugnis der Zunft- und Hausgeschichte dar.